Erwin Denzler M.A.
Dozent für
Arbeits- und Sozialrecht

www.400-Euro.de 

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Lohnsteuer bei 400-Euro-Jobs


Für die steuerrechtliche Behandlung der geringfügigen Beschäftigung gibt es drei Möglichkeiten:
Anders als in der Sozialversicherung, wo die Versicherungsfreiheit oder Versicherungspflicht jeweils gesetzlich vorgeschrieben ist, kann man bei der Lohnsteuer zwischen den verschiedenen Varianten wählen. Neben der Lohnsteuer kann auch Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag fällig werden (Ausnahme bei der 2-%-Pauschale).


Steuerfreiheit seit 1.4.2003 entfallen

Bis März 2003 konnte das Einkommen aus einer geringfügigen Beschäftigung völlig steuerfrei sein, wenn eine Freistellungsbescheinigung des Finanzamtes vorlag. Diese Variante wurde durch die 2-%-Steuer ersetzt, deshalb sind auch die Freistellungsbescheinigungen entfallen.

Pauschalsteuer 2 %

Der Arbeitgeber kann (muß aber nicht) zusätzlich zu den pauschalen SV-Beiträgen von 28 % eine "Abgeltungssteuer" von 2 % zahlen, damit sind Lohnsteuer, Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag für die geringfügige Beschäftigung bereits bezahlt. Diese Pauschalsteuer ist zusammen mit den SV-Beiträgen an die Knappschaft zu zahlen, eine Abrechnung mit dem Finanzamt ist nicht nötig. Das Einkommen aus der Beschäftigung spielt dann keine Rolle mehr bei der Veranlagung des Arbeitnehmers; er kann auch keine Werbungskosten aus dieser Tätigkeit absetzen.

Voraussetzung für diese Form der Besteuerung ist, daß der Arbeitgeber den pauschalen Rentenbeitrag von 15 % (ggf. ergänzt um die freiwillige Aufstockung) zahlt. Das ist bei 400-Euro-Jobs fast immer der Fall.

Diese Pauschalsteuer kann der Arbeitgeber selbst übernehmen, er kann sie aber auch vom Gehalt abziehen. Im Arbeitsvertrag sollte vereinbart werden, wer die Kosten trägt. Wenn ein Nettogehalt vereinbart ist (z.B. "Gehalt 400 Euro brutto für netto"), darf die Steuer nicht abgezogen werden.  Ist allerdings ein Bruttogehalt vereinbart - und das ist der Normalfall, wenn nichts Abweichendes geregelt wird - kann der Arbeitgeber nach einer neuen Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts die Pauschalsteuer vom Lohn abziehen (BAG, 1.2.2006, 5 AZR 628/04, Pressemitteilung 6/06). Dann muss der Arbeitgeber aber dem Mitarbeiter die freie Wahl lassen, ob pauschal oder mit Steuerkarte abgerechnet werden soll.

Da die Belastung bei maximal 8 Euro im Monat liegt und der Arbeitgeber durch die Abgeltung Arbeitsaufwand in der Lohnbuchhaltung vermeidet, sollte auf eine Abwälzung verzichtet werden.

Die Knappschaft leitet 95 % der Abgeltungssteuern aus allen geringfügigen Beschäftigungen an die Länder weiter (als Lohnsteuer und Solidaritätszuschlag), 5 % gehen an die steuerberechtigten Kirchen, die sich über die Aufteilung untereinander verständigen müssen. Vermutlich werden aus einem 400-Euro-Job die evangelische und die katholische Kirche jeweils etwa 20 Cent erhalten, eine sehr geringer Anteil wird an andere Kirchen und jüdische Gemeinden gehen. Diese 40 Cent Kirchensteuer sind auch zu zahlen, wenn der geringfügig Beschäftigte keiner Religionsgemeinschaft angehört - diese Regelung verstößt vermutlich gegen das Grundgesetz, deshalb ist mit einschlägigen Klagen zu rechnen.


Abrechnung mit Lohnsteuerkarte

Auch für einen 400-Euro-Job kann die Abrechnung per Lohnsteuerkarte erfolgen. In den Steuerklassen I bis IV fällt bei 400 Euro noch keine Lohnsteuer an, d.h. das Gehalt wird ohne Abzug von Lohnsteuer, Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag ausgezahlt. Trotzdem kann es sich bei der jährlichen Steuerfestsetzung auswirken, wenn man selbst oder der Ehegatte entsprechend hohe andere Einkünfte hat.

In Steuerklasse V (mitverdienender Ehegatte) werden bei 400 Euro Gehalt 48,50 Euro Lohnsteuer abgezogen. Der Grund dafür ist, daß die eigenen Freibeträge praktisch teilweise dem Ehegatten in seiner Steuerklasse III überlassen wurden, weil sie sich bei seinem Gehalt höher auswirken. In Steuerklasse VI liegt die Lohnsteuer bei 60 Euro (in beiden Fällen ggf. auch Kirchensteuer). Das ist dann der Fall, wenn es sich um ein zweites Arbeitsverhältnis handelt. Individuelle Berechnungen der laufenden Lohnsteuer sind mit dem Abgabenrechner des Bundesfinanzministeriums online möglich.

Der Arbeitnehmer kann aber den monatlichen Steuerabzug reduzieren: wenn er im ersten Arbeitsverhältnis voraussichtlich deutlich weniger als 10.783 Euro (im Jahr bei Steuerklasse I) verdient, kann ein Steuerfreibetrag auf der zweiten Lohnsteuerkarte eingetragen werden. Dazu muß der Arbeitnehmer beide Lohnsteuerkarten und einen Antrag beim Finanzamt vorlegen. Die Differenz wird aber als Hinzurechnungsbetrag auf der ersten Steuerkarte eingetragen. Wer z.B. nur zwei 400-Euro-Jobs ausübt, kann auf diesem Weg den Steuerabzug ganz vermeiden - nicht aber die Beiträge zur Sozialversicherung. Das Antragsformular auf Lohnsteuerermäßigung ist beim Finanzamt erhältlich, auch online

Pauschalbesteuerung 20 %

Diese Pauschalsteuer kommt nur noch in seltenen Fällen in Betracht: wenn der Arbeitgeber bei einer geringfügigen Beschäftigung den pauschalen Rentenbeitrag nicht zahlen muß, kann er nicht mit 2 % versteuern. Das gilt z.B. wenn ein Arbeitnehmer zwei 4OO-Euro-Jobs gleichzeitig ausübt. 
Die pauschale Lohnsteuer liegt dann bei 20 % des Arbeitslohns, dazu kommen 5,5 % der Lohnsteuer als Solidaritätszuschlag (und ggf. Kirchensteuer). In den meisten Fällen wird es günstiger sein, wenn der Mitarbeiter stattdessen eine Lohnsteuerkarte vorlegt.

554 statt 400 Euro?

Für bestimmte Tätigkeiten im öffentlichen Dienst, bei Kirchen und gemeinnützigen Organisationen gibt es einen besonderen Freibetrag, der die 400-Euro-Grenze praktisch auf 554 Euro erweitert. Mehr dazu hier .



(c) Erwin Denzler M.A. - Stand: 6.7.2006