Erwin Denzler M.A.
Dozent für
Arbeits- und Sozialrecht

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Die Daten auf dieser Seite beruhen noch auf den Werten des Jahres 2003. Zum. 1.7.2006 wurde die Berechnung geändert, die Abzüge für den Arbeitnehmer sind nun deutlich höher.  Bitte verwenden Sie zur Berechnung der Beiträge für konkrete Fälle nur Programme, die bereits aktualisiert wurden (siehe den Link "Gleitzonenrechner"). Die beschriebene Berechnungsmethode und die rechtlichen Fragen dazu gelten unverändert.


Berechnung des SV-Beitrages in der Gleitzone


Gehaltsabrechnung in 5 Schritten
Beispiel
Schwankendes Gehalt
Mehrfachbeschäftigung
Lohnfortzahlungsversicherung
Verzicht auf die Rentenbeitragsermäßigung
Gleitzonenrechner im Internet


Wenn ein Arbeitsverhältnis die Bedingungen für die Gleitzone erfüllt, muß der Arbeitgeber den Anteil des Arbeitnehmers am Sozialversicherungsbeitrag nach besonderen Vorschriften errechnen. Der Arbeitgeber hat dabei kein Wahlrecht, die recht komplzierte Form der Gehaltsabrechnung ist zwingend vorgeschrieben. Nur der Arbeitnehmer selbst kann für den Bereich der gesetzlichen Rentenversicherung wählen, ob er den ermäßigten oder den vollen Beitrag zahlen will. Für die Lohnsteuer gelten in der Gleitzone keine Besonderheiten, sie kann aus den üblichen Tabellen ermittelt werden.

Man kann den ermäßigten Beitrag selbst errechnen - dazu die nachstehende Anleitung, die vor allem auch zeigen soll, wie die Gleitzone rechnerisch funktioniert - oder man kann verschiedene Programme verwenden, die Krankenkassen im Internet anbieten. Bei schwankenden Gehältern und Mehrfachbeschäftigungen sollten Sie vor der Verwendung dieser Programme die entsprechenden Abschnitte auf dieser Seite lesen. Wer sich nur auf einen Blick über die wichtigsten Daten informieren will, findet auf der nächsten Seite eine Tabelle mit Beispielen.

Gehaltsabrechnung im 5 Schritten:

Bei der Gehaltsabrechnung in der Gleitzone sind mehrere Schritte nötig:

1. Ermittlung des Brutto-Arbeitsentgeltes (AE)
2. Berechnung des SV-Arbeitgeberanteils  (SV-AG)
3. Berechnung der "beitragspflichtigen Einnahmen" (BE)
4. Berechnung des Gesamtbeitrages zur SV (SV-ges)
5. Berechnung des SV-Arbeitnehmeranteils (SV-AN)

Falls die Beitragsermäßigung nur für einzelne Zweige der Sozialversicherung gilt (z.B. wenn der Arbeitnehmer in der Rentenversicherung den normalen Beitrag zahlen will),  sind getrennte Berechnungen notwendig.

zu 1: Ermittlung des Brutto-Arbeitsentgeltes (AE)

Gemeint ist das nach dem Arbeits- oder Tarifvertrag zu zahlende Bruttogehalt im jeweiligen Monat. Besonderheiten bei schwankenden Entgelten oder Mehrfachbeschäftigten sind weiter unten erläutert.

zu 2: Berechnung des SV-Arbeitgeberanteils  (SV-AG)

Hier gelten keine Besonderheiten, der AG trägt den halben Beitrag aus dem tatsächlichen Brutto-Arbeitsentgelt. Bei einem Beitragssatz von 14 % der jeweiligen Krankenkasse liegt der Gesamtbeitragssatz bei 41,7 %, der Anteil des Arbeitgebers bei 20,85 %.

zu 3: Berechnung der "beitragspflichtigen Einnahmen" (BE)

Das ist der schwierige Teil der Rechnung: das tatsächliche Arbeitsentgelt wird rechnerisch ermäßigt. Dafür hat der Gesetzgeber folgende Formel festgelegt:

F x 400 + (2 - F) x (AE - 400)

"F" ist der auf 4 Stellen gerundete Wert, der sich ergibt, wenn man die Zahl 25 durch den durchschnittlichen Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz des Kalenderjahres teilt.  Er wird vom Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung jährlich neu bekanntgegeben und liegt für 2003 bei 41,7 %, damit ergibt sich für F der Wert 0,5995.

Für dieses Jahr läßt sich die Formel deshalb vereinfachen, indem man für F diese Zahl einsetzt:

BE = (1,4005 x AE) - 320,40


zu 4: Berechnung des Gesamtbeitrages zur SV (SV-ges)

Der SV-ges wird aus diesem ermäßigten Wert errechnet, bei einem Beitragssatz von 41,7 % gilt deshalb:

SV-ges = 41,7 % von BE

oder ausführlicher:


SV-ges = 0,417 x [(1,4005 x AE) - 320,40]


zu 5: Berechnung des SV-Arbeitnehmeranteils (SV-AN)

Der Arbeitnehmer muß nun den Teil tragen, der sich aus der Differenz zwischen dem Gesamtbeitrag und dem Arbeitgeberanteil ergibt:

SV-AN = SV-ges - SV-AG

oder ausführlicher:

SV-AN = {0,417 x [(1,4005 x AE) - 320,40]} - (0,2085 x AE)

Rechnet man diese Formel aus, ergibt sich:

SV-AN = (0,3755 x AE) - 133,6068

Die genannten Werte können je nach Beitragssatz der Krankenkasse geringfügig abweichen; hier ist der Durchschnittsbeitragssatz von 14 % angenommen.


Ein Beispiel:

Angenommen, das monatlich gleichbleibende Arbeitsentgelt liegt bei 600 Euro und der Arbeitnehmer ist in der DAK versichert (KV-Beitragssatz im April 2003 15,2 %, Gesamtbeitrag deshalb 42,9 %, SV-AG 21,45 %):

Schritt:
Betrag:
Erläuterung:
Bruttoentgelt (AE)
600,00
z.B. nach Tarifvertrag
Arbeitgeberanteil (SV-AG)
128,70
0,2145 x 600,00
beitragspfl. Einnahmen (BE)
519,90
(1,4005 x 600) - 320,40
Gesamtbeitrag (SV-ges)
223,04
0,429 x 519,90
Arbeitnehmeranteil
  94,34
223,04 - 128,70


Schwankendes Gehalt:

Viele Arbeitnehmer erhalten nicht in jedem Kalendermonat ein gleichbleibendes Gehalt. Sofern diese Schwankungen regelmäßig sind, wie z.B. bei tariflichem Weihnachts- und Urlaubsgeld, kann das Gehalt trotzdem im gesamten Jahr innerhalb der Gleitzone liegen. Entscheidend ist dann der Durchschnitt.

Für die Berechnung der SV-Beiträge im einzelnen Monat sind dann drei Fälle denkbar:

1. Einzelgehalt innerhalb der Gleitzone

Die Berechnung erfolgt nach den oben beschriebenen 5 Schritten.

2. Einzelgehalt unterhalb der Gleitzone

Das könnte z.B. der Fall sein,  wenn saisonbedingt mehr oder weniger Arbeitsstunden je Monat anfallen und bezahlt werden. Ein Arbeitnehmer könnte z.B. von Mai bis Oktober 350 Euro monatlich verdienen, von November bis April 500 Euro. Der Durchschnitt liegt dann bei 425 Euro, also in der Gleitzone.

Die übliche Formel ist dann bei 350 Euro nicht anwendbar (da negatives Ergebnis).  In solchen Monaten sollen die beitragspflichtigen Einnahmen nach folgender Formel berechnet werden:

BE = AE x F

Im genannten Beispiel bedeutet das: "beitragspflichtige Einnahmen"  sind: 350 Euro x 0,5995 = 209,86 Euro.

Das bewirkt, daß in solchen Monaten nur ca. 60 % des tatsächlichen Lohns beitragspflichtig sind. Da der Arbeitgeber wie immer in der Gleitzone  seinen Beitragsanteil aus dem tatsächlichen Arbeitsentgelt zahlt, bleibt für den Arbeitnehmer in diesen Monaten "bis 400 Euro" etwa 4 % Beitragsbelastung.

Die genannte Formel "BE = AE x F"  empfehlen die SV-Verbände im  Rundschreiben vom 25. 2.2003 zur Gleitzone und verweisen dazu auf eine geplante Änderung der Beitragszahlungsverordnung, die aber anscheinend noch nicht erfolgt ist (siehe Textfassung der BA für Arbeit).


3. Einzelgehalt oberhalb der Gleitzone


Wenn einzelne Monatsgehälter höher als 800 Euro sind, entfällt in diesen Monaten die Beitragsermäßigung. Auch der Arbeitnehmer  trägt dann die Hälfte des Beitrages aus dem tatsächlichem Entgelt.

Dieser Fall wird besonders oft vorkommen bei Einmalzahlungen: wenn ein Arbeitnehmer monatlich 600 Euro erhält, im Dezember aber zusätzlich ein Weihnachtsgeld von weiteren 600 Euro, liegt die Beitragsbelastung bei:

11 x  91,70 = 1008,70 Euro (Januar bis November)
1  x  250,20 Euro  (20,85 % aus 1200 Euro im Dezember)

Mehrfachbeschäftigung:

Besonders problematisch wird die Umsetzung der Gleitzone, wenn ein Arbeitnehmer mehrere Beschäftigungen nebeneinander hat,  und wenn in einer oder beiden Beschäftigungen das Gehalt nicht monatlich gleichbleibend ist.

Beide Arbeitgeber können nicht einfach die Gleitzonenregelung auf das jeweilige Gehalt anwenden, da der Grad der Ermäßigung vom Gesamtgehalt abhängt. Auch wenn beim Arbeitgeber "X" monatlich gleichbleibend 300 Euro gezahlt werden, muß er in jedem einzelnen Monat wissen, was der Arbeitgeber "Y" an den gleichen Arbeitnehmer zahlt: wenn das Zweitgehalt ebenfalls bei 300 Euro liegt, sind für die Gleitzone 600 Euro anzusetzen. Liegt es bei 600 Euro, gilt die Ermäßigung in beiden Jobs nicht mehr, da das Gesamtgehalt mit 900 Euro außerhalb der Gleitzone liegt. Und bei einer Summe der beiden Gehälter von 700 Euro ist die der Beitrag anders zu berechnen als bei 650 Euro.

Für die Gehaltsabrechnung ist in diesem Fall neben den 5 Schritten (siehe oben) ein weiterer Schritt notwendig.  Die Arbeitgeberanteile können für beide Beschäftigungen mit dem üblichen Prozentsatz errechnet werden (also im Durchschnitt 20,85 %), aber die "beitragspflichtigen Einnahmen" und damit der Arbeitnehmeranteil müssen zwischen den beiden Beschäftigungen aufgeteilt werden.  Dazu muß man ausrechnen, welchen Anteil am Gesamt-Arbeitsentgelt dem jeweiligen Arbeitsverhältnis entspricht: beide Arbeitgeber müssen zunächst die  Gleitzonen-Rechnung für das Gesamt-Arbeitsentgelt durchführen.  Dann müssen sie ausrechnen, welchen Anteil das jeweilige Arbeitsentgelt am Gesamt-Arbeitsentgelt hat und diesen Anteil auf den Arbeitnehmerbeitrag anwenden.

Wenn im obengenannten Beispiel  das Gesamt-Arbeitsentgelt von 600 Euro aus zwei Einzel-Arbeitsentgelten von je 300 Euro besteht,  müssen alle Beträge einfach nur halbiert werden. Wenn aber Arbeitgeber "X" 200 und Arbeitgeber "Y" 400 Euro brutto zahlen, muß Arbeitgeber "X" jeweils 1/3 und Arbeitgeber "Y" jeweils 2/3 der genannten Beträge anwenden.

Das kann nur funktionieren, wenn jeder Arbeitgeber weiß, was der Mitarbeiter in der anderen Beschäftigung im jeweiligen Monat und im Jahr insgesamt verdient.  Die SV-Verbände meinen dazu: "Der Arbeitnehmer hat seinen Arbeitgebern die für die Beitragsberechnung erforderlichen Angaben über die Höhe der jeweiligen monatlichen Arbeitsentgelte der einzelnen Beschäftigungen zu machen (§ 28o Abs. 1 SGB IV)."  Und in diesem Fall stimmt die Meinung der SV-Verbände sogar mit dem Gesetz überein: "Der Beschäftigte hat dem Arbeitgeber die zur Durchführung des Meldeverfahrens und der Beitragszahlung erforderlichen Angaben zu machen und, soweit erforderlich, Unterlagen vorzulegen."

In der Praxis bedeutet das: bei Mehrfachbeschäftigungen innerhalb der Gleitzone muß jeder Arbeitgeber monatlich das Bruttogehalt feststellen und dem Arbeitnehmer mitteilen. Anschließend muß der Arbeitnehmer diese Mitteilung an den jeweils anderen Arbeitgeber weiterleiten. Erst dann können beide Arbeitgeber die Gehaltsabrechnung durchführen.

Dieser Weg ist natürlich datenschutzrechtlich bedenklich, aber gesetzlich erlaubt und zwingend. Einfacher wäre es, wenn man die abschließende Berechnung den Krankenkassen überlassen hätte. Der Gesetzgeber hätte festlegen können, daß in solchen Fällen - oder bei der Gleitzone überhaupt, auch ohne Mehrfachbeschäftigung - der Arbeitgeber zunächst den normalen Sozialversicherungsbeitrag berechnet und vom Gehalt abzieht. Anschließend könnte die Krankenkasse prüfen, ob eine Ermäßigung zutrifft, und den Differenzbetrag an den Arbeitnehmer überweisen.  Damit hätte man den Datenschutz berücksichtigt und den beteiligten Arbeitgebern alle umständlichen Berechnungen erspart, die auf dieser Seite beschrieben sind. Dieses System wäre vergleichbar mit dem Lohnsteuerrecht, wo ebenfalls die Finanzämter in der Gesamtbetrachtung beurteilen müssen, welche Abzüge zutreffend sind. Aber der Gesetzgeber wollte offenbar nicht die Krankenkassen mit diesem zusätzlichen Arbeitsaufwand belasten. 

Lohnfortzahlungsversicherungen

Kleinunternehmer müssen neben dem Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung auch einen Beitrag zu den Lohnfortzahlungsversicherungen bei Krankheit und Mutterschutz zahlen (siehe hier).  Bei dieser Versicherung kommt die Gleitzonenregelung auch dem Arbeitgeber zugute: er muß die Beiträge nicht aus dem tatsächlichen Arbeitsentgelt zahlen, sondern aus den ermäßigten "beitragspflichtigen Einnahmen" in der Gleitzone.  Da die Beiträge zu diesen Versicherungen sehr niedrig sind, fällt die Einsparung nicht ins Gewicht.

Verzicht auf die Rentenbeitragsermäßigung

Und weil die Gleitzone mit all ihren Varianten noch nicht kompliziert genug ist, gibt es eine weitere Möglichkeit: der ermäßigte Rentenbeitrag führt auch nur zu einer verringerten Rente. Der Arbeitnehmer kann aber, wenn er das möchte, bei der Rentenversicherung auf die Beitragsemäßigung verzichten und erwirbt dann auch Rentenansprüche, die dem tatsächlichen Gehalt entsprechen. Der AN-Anteil an der Sozialversicherung wird dann entsprechend höher. Nähere Informationen dazu finden Sie auf den Internetseiten der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte. Wenn der Arbeitnehmer den vollen Rentenbeitrag zahlen will (das dürfte in nahezu allen Fällen wenig sinnvoll sein), muß der Arbeitgeber für die Rentenversicherung eine "normale" Beitragsberechnung durchführen, für die Kranken-. Pflege- und Arbeitslosenversicherung eine Brechnung nach der Gleitzone.

Gleitzonenrechner

Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssen nicht in jedem Fall nach den auf dieser Seite genannten Formeln mit dem Taschenrechner feststellen, welche SV-Beiträge fällig werden. Die Anbieter von Gehaltsabrechnungsprogrammen haben inzwischen die Gleitzone in ihre Programme eingearbeitet. Auch einige Krankenkassen bieten im Internet kostenlose Gleitzonenrechner an. Nicht alle Prpgramme berücksichtigen alle Sonderfälle. Ich habe bisher die folgenden Seiten im Internet gefunden und ausprobiert:

AOK- Betriebsservice (Link: AOK Bayern)
Techniker-Krankenkasse  (Excel-Tabelle)
Verband der Angestellten-Krankenkassen (Excel-Tabelle)
Barmer Ersatzkasse (PDF-Datei)
DAK

Die beste Funktionalität hat dabei meiner Meinung nach der online-Rechner der DAK, der verschiedene Sonderfälle zuläßt und gleichzeitig auch die Lohnsteuer berechnet.

Wenn Sie Empfehlungen für weitere (kostenfreie) Berechnungsprogramme haben, schreiben Sie mir bitte.



(c) Erwin Denzler M.A. - Stand: 1.4.2003