Erwin Denzler M.A.
Dozent für
Arbeits- und Sozialrecht

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Der "Übungsleiterfreibetrag:"

554 statt 400 Euro?




Für bestimmte Tätigkeiten im öffentlichen Dienst, bei Kirchen und gemeinnützigen Organisationen gibt es einen besonderen Freibetrag von 1.848 Euro im Jahr, der auf die 400-Euro-Grenze nicht angerechnet wird. Das bedeutet: für solche Jobs ist ein Einkommen von bis zu 554 Euro monatlich steuer- und sozialversicherungsfrei.

Für den sogenannten Übungsleiterfreibetrag müssen drei Bedingungen erfüllt sein:
  1. Die Tätigkeit ist nur nebenberuflich, d.h. sie erreicht maximal 1/3 der Arbeitszeit eines Vollzeitbeschäftigten (im öffentlichen Dienst: 38,5 : 3 = 12 Std. 49 Minuten). Mehrere gleichartige Tätigkeiten werden addiert. Ob gleichzeitig ein Hauptberuf ausgeübt wird, spielt keine Rolle.
  2. Es geht um eine Tätigkeit als Übungsleiter, Ausbilder, Lehrer, Erzieher, Betreuer, Künstler, Pflegekraft.
  3. Auftraggeber ist ein öffentlicher Träger (z.B. Stadtverwaltung, IHK, Universität), eine Kirche oder eine gemeinnützige Organisation (z.B. Wohlfahrtsverband).
Typische Fälle dafür wären, falls jeweils die Arbeitszeit entsprechend gering ist:
  • Lehrer an öffentlichen oder kirchlichen Schulen.
  • Lehrbeauftragte an Hochschulen.
  • Dozenten bei der IHK, Handwerkskammer und an städtischen Volkshochschulen.
  • Trainer bei Sportvereinen.
  • Ausbilder bei der Feuerwehr oder im Rettungsdienst.
  • Chorleiter, Dirigenten, Musiker bei gemeinnützigen Vereinen oder Kirchengemeinden.
  • Jugendgruppenleiter bei gemeinnützigen Organisationen und Kirchen.
  • Krankenschwestern, Altenpfleger oder Pflegehelfer in Krankenhäusern, Pflegeheimen oder ambulanten Diensten, wenn der Träger eine Kommune, ein Wohlfahrtsverband oder eine Religionsgemeinschaft ist.

Die Regelung gilt nicht für sonstige Tätigkeiten bei diesen Trägern: die Küchenhilfe im Krankenhaus oder der Platzwart beim Sportverein fallen nicht darunter.

Wenn alle drei Bedingungen erfüllt sind, ist ein Einkommen von bis zu 1.848 Euro im Kalenderjahr steuer- und sozialversicherungsfrei. Dabei spielt es keine Rolle, ob der nebenberuflich Tätige als Arbeitnehmer oder Selbständiger gilt. Betriebsausgaben oder Werbungskosten können nicht berücksichtigt werden, es zählt das ausgezahlte Entgelt. Der Freibetrag kann von jeder Person nur einmal im Kalenderjahr genutzt werden, auch falls mehrere einschlägige Tätigkeiten bei verschiedenen Auftraggebern ausgeübt werden. Deshalb muß sich der Arbeitgeber schriftlich bestätigen lassen, daß der pauschale Betrag noch nicht oder noch nicht voll ausgeschöpft wurde. Eine Zusammenrechnung mit anderen Erwerbstätigkeiten findet nicht statt: auch wer Vollzeit arbeitet, kann als nebenberuflicher Fußballtrainer den Freibetrag nutzen.

Wenn man mehr als 1.848 Euro im Jahr verdient, ist bei Arbeitnehmern die 400-Euro-Grenze zu beachten. Das bedeutet: bei einer Dauerbeschäftigung sind insgesamt 6.648 Euro im Jahr (12 x 400 + 1.848) frei, sofern die Bedingungen für einen 400-Euro-Job erfüllt sind. Im Monatsdurchschnitt wären dies 554 Euro.

Während die 400 Euro für den Monatsdurchschnitt gelten, sind die 1.848 Euro ein Jahresbetrag. Deshalb kann bei Tätigkeiten, die nur für einen Teil des Jahres ausgeübt werden, der monatliche Gesamtbetrag noch höher liegen.

Dazu ein Beispiel:
Eine Krankenschwester war bis 30. Juni nicht erwerbstätig. Ab 1.7. arbeitet sie im städtischen Krankenhaus 10 Stunden wöchentlich. Sie verdient laut Tarifvertrag 520 Euro monatlich und erhält in diesem Jahr 250 Euro Weihnachtsgeld. Das Jahreseinkommen liegt deshalb bei 3.370 Euro. Nach der 400-Euro-Grenze wäre sie nicht steuer- und sozialversicherungsfrei, weil der Monatsdurchschnitt bei 561,67 Euro liegt. Der "Übungsleiterfreibetrag" von 1.848 Euro bewirkt aber, daß nur 1.522 Euro als Jahreseinkommen zählen. Ein Sechstel (sie arbeitet nur 6 Monate) davon sind 253,67 Euro. Deshalb ist ihr Einkommen im laufenden Jahr steuer- und sozialversicherungsfrei. Der Arbeitgeber muß nur aus 253,67 Euro monatlich die pauschalen Abgaben zahlen.

Im Folgejahr wird ihr Einkommen bei 6.740 Euro liegen, also ebenfalls 561,67 Euro monatlich. Damit sind die Freibeträge überschritten, das Arbeitsverhältnis wird steuer- und sozialversicherungspflichtig. Von den 561,67 Euro fallen aber weiterhin 154 Euro monatlich unter den "Übungsleiterfreibetrag," deshalb muß die Krankenschwester nur aus 407,67 Euro im Monatsdurchschnitt Lohnsteuer und Sozialversicherung zahlen. Dank der "Gleitzone" liegt der SV-Beitrag für die Arbeitnehmerin bei nur knapp 20 Euro. Die Lohnsteuer würde allerdings in Klasse V bereits bei 63,50 Euro liegen, das Nettogehalt bei etwa 478 Euro.

Wenn sie ihre Arbeitszeit von 10 auf 9 Stunden reduziert, liegt das durchschnittliche Bruttogehalt bei 505,50 Euro und wäre für die Krankenschwester insgesamt abgabenfrei. Der Arbeitgeber müßte dann nur aus 351,50 Euro monatlich (505,50 - 154) die Pauschalabgabe von 25 % zahlen.

Dieser Freibetrag ist bei vielen Arbeitgebern im öffentlichen oder kirchlichen Dienst und bei Wohlfahrtsverbänden noch ziemlich unbekannt. Viele wissen nicht, daß er mit der 400-Euro-Regelung kombiniert werden kann. Deshalb wurde und wird oft unnötig viel Lohnsteuer und Sozialversicherung bezahlt. Wenn in der Vergangenheit Fehler gemacht wurden, kann der Arbeitnehmer die Lohnsteuer im Rahmen der Einkommensteuererklärung vom Finanzamt zurückfordern. Zuviel gezahlte Beiträge zur Sozialversicherung können sowohl der Arbeitnehmer als auch der Arbeitgeber von der Krankenkasse in den vier folgenden Kalenderjahren erstatten lassen. Dabei ist zu beachten, daß diese Regelung in den letzten Jahren mehrfach geändert wurde:
  • Seit 1.1.2002 liegt der Freibetrag bei 1.848 Euro im Jahr.
  • In den Jahren 2000 und 2001 lag er bei 3.600 DM.
  • Bis 31.12.1999 lag er bei 2.400 DM.
  • Erst seit 1.4.1999 ist gesetzlich festgelegt, daß dieser Freibetrag nicht nur für die Steuer, sondern auch für die Sozialversicherung gilt.
Für selbständige Tätigkeiten - z.B.als freiberuflicher Dozent an einer Volkshochschule - galt der Freibetrag schon immer auch für die Sozialversicherung, da hier der steuerliche Gewinn als Arbeitseinkommen gilt. Das ist z.B. wichtig für die Frage, ob ein selbständiger Lehrer versicherungspflichtig in der Rentenversicherung ist (ausführliche Informationen zur Rentenversicherungspflicht selbständiger Lehrer, Dozenten und Trainer finden Sie hier).




(c) Erwin Denzler M.A. - Stand: 1.6.2004