Erwin Denzler M.A.
Dozent für
Arbeits- und Sozialrecht
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Fortbildungskosten in der Steuererklärung


Wer an Seminaren und Lehrgängen aus beruflichen Gründen teilnimmt, kann in vielen Fällen das Finanzamt an den Kosten beteiligen. Aus meiner Arbeit als Dozent weiß ich, daß die Teilnehmer oft nur wenig Informationen dazu haben und deshalb allzu oft auf Steuervorteile verzichten. Deshalb hier die wichtigsten Hinweise.


1.      Privat oder beruflich?

2.      Werbungskosten oder Sonderausgaben?
3.      Welche Ausgaben können abgesetzt werden?
3.1.   Lehrganggebühren
3.2.   Fahrtkosten
3.3.   Verpflegungsmehraufwand
3.4.   Übernachtungen
3.5.   Fachliteratur und Lernmittel
4.      Praktische Hinweise
4.1.   Steuerhinterziehung?
4.2.   Angaben in der Steuererklärung
4.3.   Freibetrag in der Lohnsteuerkarte
4.4.   Verlustabzug in einem anderen Kalenderjahr
5.      Steuerersparnis (mit Beispiel)

Hinweis für Bildungsträger


1. Privat oder beruflich?

Für die Steuer sind nur berufliche Bildungsmaßnahmen relevant. Die Abgrenzung ist nicht immer einfach. Wenn eine junge Altenpflegerin an einem Kurs über "Gesunde Ernährung im Alter" teilnimmt, kann man wohl vermuten, daß es eine berufliche Fortbildung ist. Nimmt ein 60jähriger Schlosser am selben Kurs teil, ist es eindeutig privat. Schwierig kann der Nachweis der beruflichen Motivation auch bei Sprach- und EDV-Kursen sein oder bei Bildungsreisen.


2. Werbungskosten oder Sonderausgaben?

Wenn die Bildungsmaßnahme beruflicher Art ist, stellt sich die Frage nach der steuerlichen Einordnung als "Sonderausgaben" oder als "Werbungskosten" (bei Selbständigen: Betriebsausgaben). Die Regelungen dazu wurden mit Wirkung ab 2004 grundlegend geändert. Nun gilt:

Betriebliche Berufsausbildung
Eine Berufsausbildung in einem Dienstverhältnis (also der klassische Lehrling, auch Schüler in der Alten- und Krankenpflege) ist steuerlich ein Arbeitsverhältnis. Alle Kosten, auch in Zusammenhang mit der beruflichen Schule, sind Werbungskosten wie bei sonstigen Arbeitnehmern.
Sonstige Berufsausbildung
Wenn es sich um die erste Berufsausbildung handelt und sie nicht im Rahmen eines Dienstverhältnisses stattfindet, können die Kosten nur als Sonderausgaben geltend gemacht werden bis zur Höhe von 4.000 Euro im Jahr. Das betrifft z.B. Berufsausbildungen an bestimmten Schularten, wenn sie nicht Teil eines Dienstverhältnisses sind. Hat der Auszubildende vorher bereits eine andere Berufsausbildung oder ein Studium abgeschlossen, sind die Ausgaben Werbungskosten.
Erststudium
Die Kosten können nur als Sonderausgaben bis zu 4.000 Euro jährlich geltend gemacht werden. Dies gilt nach Ansicht des Bundesfinanzministeriums offenbar auch dann, wenn vorher eine Berufsausbildung abgeschlossen wurde. Wenn das Erststudium Teil eines Dienstverhältnisses ist (häufig bei Berufsakademien und Fachhochschulen der öffentlichen Verwaltung), sind die Studienkosten Werbungskosten.
Zweitstudium
Ein Zweitstudium liegt vor, wenn bereits ein berufsqualifizierender Hochschulabschluss erreicht wurde. Das gilt auch dann, wenn nach einem Bachelor-Abschluß ein Master-Studiengang absolviert wird. Die Kosten des Zweitstudiums sind Werbungskosten, wenn das Studium auf eine berufliche Tätigkeit vorbereitet. Das trifft z.B. nicht zu, wenn ein Ingenieur nur aus privatem Interesse Literaturwissenschaft studiert.
Aufstiegs-Fortbildung
(Weiterbildung)
Hier geht es um Lehrgänge, die auf eine höhere Funktion vorbereiten (z.B. Meisterprüfung, Fachwirt) oder zusätzliche Qualifikationen verleihen (z.B. Qualitätsmanagement, Sicherheitsbeauftragter). In der Regel bereiten sie auf eine Prüfung vor, das ist aber steuerlich nicht relevant. Die Kosten dafür sind Werbungskosten.
Anpassungs-Fortbildung
Das sind Seminare und Kurse, die die erworbenen beruflichen Fähigkeiten erhalten oder aktualisieren. Auch hierbei geht es um Werbungskosten. Ob eine Prüfung stattfindet, spielt keine Rolle.

Siehe dazu auch das Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen (BMF) vom 4. November 2005 - IV C 4 - S 2227 - 5/05.

Werbungskosten (bei Selbständigen und Gewerbetreibenden Betriebsausgaben) sind der Höhe nach nicht beschränkt. Sie können auch höher sein als die entsprechenden Einkünfte im gleichen Jahr. Das kommt oft vor, wenn wegen einer Bildungsmaßnahme in diesem Jahr nur ein geringeres Erwerbseinkommen möglich ist. Die Werbungskosten können dann in andere Kalenderjahre übertragen werden. Mehr dazu unten im Abschnitt 4.4.


Keinen steuerlichen Vorteil hat ein Arbeitnehmer, wenn auch mit den Fortbildungskosten der Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 920 Euro im Jahr nicht überschritten wird. Das hängt vor allem davon ab, wie hoch die sonstigen Werbungskosten (z.B. Entfernungspauschale) im Jahr sind. Für Selbständige gibt es keinen entsprechenden Pauschbetrag, hier mindern die Betriebsausgaben direkt den Gewinn.

Werbungskosten oder Betriebsausgaben wirken sich nicht nur im Steuerrecht aus, sondern auch in vielen Bereichen des Sozialrechts und der Unterhaltsverpflichtungen. Die geringeren Einkünfte führen z.B. bei Selbständigen dazu, daß die Beitragslasten in der Sozialversicherung geringer werden. Wenn Sozialleistungen vom Einkommen abhängig sind, werden höhere Ausgaben in der Regel zu einer höheren Sozialleistung führen. Die Anrechnungsregelungen dafür sind aber je nach Leistung unterschiedlich.

Sonderausgaben zur beruflichen Ausbildung sind der Höhe nach auf 4.000 Euro im Jahr beschränkt.  Sie werden nicht auf den Arbeitnehmer-Pauschbetrag angerechnet, zählen aber in der Regel auch nicht bei der Berechnung von Sozialleistungen.

Der Steuerzahler hat kein Wahlrecht zwischen Werbungskosten und Sonderausgaben. Er kann zwar die Ausgaben in der Steuererklärung als Werbungskosten angeben. Wenn das Finanzamt anderer Meinung ist, wird es dies spätestens im Steuerbescheid mitteilen.



3. Welche Ausgaben können abgesetzt werden?

Absetzbar sind alle für die Teilnahme notwendigen Kosten, die der Steuerzahler selbst getragen hat. Zuschüsse von dritter Seite - z.B. der Agentur für Arbeit, des Arbeitgebers oder nach dem "Meister-BAföG" - müssen abgezogen werden. Gerade bei längerfristigen Maßnahmen wie z.B. berufsbegleitenden Weiterbildungen sollte man in einer Art Kassenbuch alle Kosten aufzeichnen und Belege sammeln. Typische Ausgaben sind:

3.1. Lehrgangsgebühren


Die an den Veranstalter gezahlten Kosten für Anmeldung, Teilnahme, Skripte und Prüfungen; ebenso Püfungsgebühren an andere Stellen wie z.B. die IHK oder Handwerkskammer.

Bei der Kursgebühr gibt es oft ein Wahlrecht zwischen einmaliger und monatlicher Zahlung. Eine einmalige Zahlung ist bei der Steuererklärung in dem Jahr geltend zu machen, in dem sie geleistet wurde. Ratenzahlungen sind gegebenfalls in verschiedenen Kalenderjahren anzugeben.

3.2. Fahrtkosten

Fahrten zum Lehrgang und zu ergänzenden Veranstaltungen (z.B. Praktika, freiwillige Lernkreise mit anderen Teilnehmern) können wie Dienstreisen abgerechnet werden, müssen aber nachweisbar sein. Für die Teilnahme am Lehrgang eignet sich der Studenplan des Veranstalters als Nachweis.

Bei der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel gilt der Fahrschein als Beleg, ebenso Taxiquittungen.

Wer mit dem eigenem Auto fährt, kann die tatsächlichen Kosten absetzen. Dazu ist allerdings eine umfangreiche Berechnung mit Nachweisen nötig (Wertverlust, Benzin, Versicherung, Steuer, Reparaturen, TÜV-Gebühr usw. ...). Einfacher ist die Angabe der Kilometerpauschale:
  • PKW: 0,30 Euro je gefahrener Kilometer
  • Motorrad/Motorroller: 0,13 Euro je gefahrener Kilometer
  • Moped/Mofa: 0,08 Euro je gefahrener Kilometer
  • Fahrrad: 0,05 Euro je gefahrener Kilometer
  • bei Mitnahme von weiteren Personen (Fahrgemeinschaft) im PKW zusätzlich 0,02 Euro je Mitfahrer und km, auf dem Motorrad 0,01 Euro
Falls die Mitfahrer einen Kostenbeitrag an den Inhaber des PKW zahlen, ist das entsprechend zu verrechnen (Ausgabe bei den Mitfahrern, geringere Fahrtkosten beim Fahrer) und sollte am besten durch Quittungen dokumentiert werden. Zusätzlich zur km-Pauschale können z.B. Parkplatzgebühren angegeben werden.

Wenn die Weiterbildung am ständigen Arbeitsplatz stattfindet, kann stattdessen nur wie an anderen Arbeitstagen die Entfernungspauschale von 0,30 Euro je Entfernungskilometer abgesetzt werden (Ausnahmen und Besonderheiten § 9 Abs. 1 Satz 2 Nr. 4 und Abs. 2 EStG).

Dauert eine auswärtige Weiterbildung länger als 3 Monate, kann der Veranstaltungsort als neue (bzw. weitere) Tätigkeitsstätte gelten, auch dann wäre nur noch die Entfernungspauschale möglich. Die Dreimonatsfrist beginnt von Neuem, wenn der Lehrgang am auswärtigen Ort für mindestens 4 Wochen unterbrochen wurde. Urlaubs- oder krankheitsbedingte Unterbrechungen zählen dabei nicht.

Für Bildungsmaßnahmen gilt dabei aber eine Sonderregelung: wenn die Bildungsstätte an nicht mehr als 2 Tagen wöchentlich aufgesucht wird, ist jedes Mal von einer neuen Dienstreise auszugehen.

Der "neue Tätigkeitsort" kommt deshalb nur bei Lehrgängen in Betracht, die an mehr als 2 Tagen je Woche stattfinden, länger als 3 Monate dauern und nicht zwischendurch für mindestens 4 Wochen unterbrochen werden.

Einzelheiten dazu: R 34 Abs. 2 und R 37 Abs. 3 Lohnsteuer-Richtlinien.

3.3. Verpflegungsmehraufwand


Ohne tatsächlichen Nachweis akzeptiert das Finanzamt Mehrkosten für Verpflegung auf Dienstreisen und somit auch bei Fortbildungen. Die Pauschalen richten sich nach der tatsächlichen Abwesenheit am Kalendertag, also einschließlich Wegezeiten:

mindestens 8 Stunden
6 Euro
mindestens 14 Stunden
12 Euro
24 Stunden
24 Euro

Deshalb sollte man nicht nur die gefahrenen Kilometer, sondern auch die Reisezeiten genau notieren. Gute PC-Programme für die Einkommensteuererklärung errechnen daraus dann automatisch die absetzbaren Kosten.

Die genannten Sätze gelten nur innerhalb Deutschlands, für Auslandsreisen gelten andere Pauschalen. Der Verpflegungsmehraufwand kann nicht angerechnet werden, wenn die Ausbildungsstätte als "regelmäßiger Tätigkeitsort" gilt.  Zur Abgrenzung siehe Abschnitt 3.2.

3.4. Übernachtungen


Übernachtungskosten - sofern nicht schon in der Lehrgangsgebühr enthalten - müssen einzeln mit Beleg nachgewiesen werden. Sind in der Hotelrechnung auch Mahlzeiten enthalten, werden diese nicht anerkannt, da es dafür bereits die oben genannte Pauschale gibt. Wenn die Hotelrechnung ein Frühstück einschließt, ohne daß dafür ein besonderer Betrag genannt ist, werden 4,50 Euro abgezogen.

3.5. Fachliteratur und Lernmittel


Die Kosten für beruflich benötigte Fachliteratur (Bücher, Zeitschriften, evtl. Datenträger) können auch unabhängig von der Teilnahme an einer Bildungsmaßnahme als Werbungskosten abgesetzt werden. Gerade bei Weiterbildungen fallen solche Kosten aber erfahrungsgemäß an, entweder aus eigener Initiative oder auf Empfehlung der Dozenten. Quittungen für Bücher dürfen nicht nur den Hinweis "Fachliteratur" enthalten, sondern die genaue Bezeichnung des Buches.

Auch andere Lernmittel, Werkzeuge, Schreibwaren kommen prinzipiell in Frage, der Nachweis der nicht privaten Verwendung kann aber schwierig sein.

Privater PC in den Werbungskosten:

Die Anerkennung eines privat angeschafften und in der eigenen Wohnung benutzten Computers war früher besonders schwierig. Manche Finanzämter forderten genaue Nachweise über den Anteil der beruflichen Nutzung.  Der Bundesfinanzhof entschied aber am 19.2.2004 (Az. VI R 135/01), daß auch eine pauschale Aufteilung möglich ist:

"Kann ein Steuerpflichtiger indes nachweisen oder zumindest glaubhaft machen, dass er einen PC (jedenfalls) in einem nicht unwesentlichen Umfang beruflich nutzt bzw. genutzt hat, so erscheint es --auch aus Vereinfachungsgründen-- regelmäßig vertretbar, dass (seitens der Verwaltung) typisierend und pauschalierend von einer jeweils hälftigen privaten bzw. beruflichen Nutzung des PC ausgegangen wird. Will der Steuerpflichtige oder das FA von diesem Aufteilungsmaßstab abweichen, so bedarf es zusätzlicher Anhaltspunkte und Umstände, die von dem betreffenden Beteiligten jeweils näher darzulegen sowie nachzuweisen bzw. glaubhaft zu machen sind."

Die Teilnahme an einer längerfristigen Weiterbildung dürfte ein Nachweis für den beruflichen Bedarf sein, da in der Regel Hausarbeiten, Praktikumsberichte und ähnliche Arbeiten zu verfassen sind. Der PC einschließlich der nicht selbständig nutzbaren Zusatzgeräte (z.B. Monitor) wird in der Regel einen Anschaffungspreis von mehr als 410 Euro haben und kann deshalb nur "abgeschrieben" werden: die Kosten müssen auf 3 Jahre verteilt werden. 

4. Praktische Hinweise:

4.1. Steuerhinterziehung?

Bei manchen Ausgaben, wie z.B. Reisekosten, liegt die Versuchung nahe, etwas zu übertreiben. Das sollten Sie auf jeden Fall unterlassen - die Steuerfahnder kennen alle Tricks bereits. Falsche Angaben führen nicht nur zu Steuernachforderungen, sondern auch zu einem Strafverfahren.

Von der Steuerhinterziehung unterscheiden muß man die Nicht-Absetzbarkeit: wer tatsächlich entstandene Ausgaben in der Steuererklärung nennt, die dann aber vom Finanzamt nicht als eindeutig beruflich anerkannt werden, hat damit keine Steuerstraftat begangen. Wichtig ist, daß alle Angaben wahrheitsgemäß und möglichst nachweisbar sind. Bei Fortbildungen kann man z.B. die Ausschreibung des Veranstalters, den Terminplan und die Teilnahmebescheinigung vorlegen, um Angaben zu den Kosten zu untermauern.

Wer allerdings z.B. Reisekosten als eigene Ausgaben deklariert, obwohl sie vom Arbeitgeber erstattet wurden, wird spätestens nach der nächsten Betriebsprüfung beim Arbeitgeber Probleme mit dem Finanzamt bekommen.

4.2. Angaben in der Steuererklärung

Im Normalfall werden Werbungskosten (und Sonderausgaben) bei der jährlichen Steuererklärung, also im Nachhinein, geltend gemacht.

Arbeitnehmer tragen die Summe der Fortbildungskosten in Zeile 46 der Anlage N ein (bezogen auf den Vordruck im online-Programm "ElsterFormular 2004/2005", in anderen Versionen oder gedruckten Formularen sind Abweichungen möglich), soweit es um Werbungskosten geht. Sonderausgaben (siehe oben Nr. 2) werden im Hauptvordruck in Zeile 81/82 eingetragen. Damit der Finanzbeamte den Betrag prüfen kann, sollten folgende Unterlagen beigelegt werden:
  • Zur Art der Bildungsmaßnahme die Ausschreibung des Veranstalters,  der Teilnahmevertrag, der Stundenplan und/oder das Abschlusszeugnis bzw. die Teilnahmebescheinigung
  • Zu den Lehrgangskosten die Rechnungen oder Quittungen
  • Zu den Fahrtkosten bei der Kilometer-Pauschale eine übersichtliche Darstellung der einzelnen Fahrten, zeitlich geordnet mit Angabe der Strecken (z.B. Nürnberg-München und zurück) und der gefahrenen Kilometer.
  • Zu der Verpflegungspauschale eine kalendarische Aufstellung der Schulungstage mit Angaben zur Ortsabwesenheit, ggf. kombiniert mit den Angaben zu den Fahrtkosten. Zum Beispiel: 20.12.05, Abreise 7.30 Uhr, Rückkunft 18.00 Uhr = 10,5 Std., VP-Pauschale 6,00 Euro (am einfachsten geht dies mit einem entsprechenden Arbeitsblatt in einer Tabellenkalkulation, in dem auch die Fahrstrecken eingegeben werden können).
  • Zu Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln und anderen per Einzelbeleg nachweisbaren Ausgaben eine zeitlich geordnete Auflistung mit Angabe der Art der Aufwendung, des Tages und des Betrags. Die Belege können gleich beigefügt werden (am besten numeriert), erforderlich ist dies aber nur auf Anforderung durch das Finanzamt. Sie müssen jedenfalls für eine evtl. Nachfrage aufbewahrt werden.
  • Eine Aufstellung der Zuschüsse, die vom Arbeitgeber oder von anderen Stellen zu den Kosten der Fortbildung geleistet wurden.
  • Eine Gesamtberechnung, in der die verschiedenen Ausgaben summiert und die Zuschüsse abgezogen werden.
Falls ein Leser dieser Seiten für diesen Zweck ein geeignetes Excel-Arbeitsblatt
selbst entworfen hat oder dies gerne tun möchte, veröffentliche ich es gerne an dieser Stelle.
Bedingung wäre aber die kostenlose Nutzung für jedermann.
Bitte schreiben Sie mir, zur Gestaltung gebe ich dann gerne auch Tipps.

Selbständige verbuchen die genannten Kosten ebenso wie alle anderen Betriebsausgaben und beachten dabei ggf. den Vorsteuerabzug (Bildungsmaßnahmen sind allerdings oft von der Umsatzsteuer befreit). Sonderausgaben geben Selbständige ebenso wie Arbeitnehmer im Hauptvordruck an, bei den Betriebsausgaben erscheinen sie nicht.

4.3. Freibetrag in der Lohnsteuerkarte

Wer nicht bis zur nächsten Steuererklärung warten will, kann als Arbeitnehmer Werbungskosten auch schon beim laufenden Lohnsteuerabzug berücksichtigen lassen. Der Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 920 Euro ist aber schon in den Lohnsteuertabellen eingerechnet. Ein zusätzlicher Freibetrag ist nur möglich, wenn die Werbungskosten insgesamt im laufenden Jahr um mehr als 600 Euro darüber liegen werden, also voraussichtlich mehr als 1.520 Euro betragen werden. Wer an einem Meister- oder Fachwirtskurs teilnimmt, kann diese Grenzen leicht überschreiten. Neben Werbungskosten zählen dabei auch bestimmte andere steuerlich absetzbare Beträge mit.

Der Freibetrag wird vom Finanzamt auf Antrag in der Lohnsteuerkarte eingetragen (auch noch während des Jahres) und führt zu einem geringeren Steuerabzug bei der Gehaltsabrechnung. Weitere Informationen dazu und das notwendige Antragsformular finden Sie im Internet unter www.finanzamt.de auf den Seiten der Finanzverwaltung Ihres Bundeslandes.

Selbständige können diese Möglichkeit zwar nicht nutzen, aber mit entsprechenden Angaben und Nachweisen zu den Kosten einer Weiterbildung beim Finanzamt die Herabsetzung der laufenden Steuervorauszahlung beantragen.

4.4. Verlustabzug in einem anderen Kalenderjahr

Steuern sparen kann nur, wer auch Steuern zahlt. Wenn in einem Kalenderjahr kein oder nur wenig steuerpflichtiges Einkommen erzielt wird, wirken sich Werbungskosten oder Betriebsausgaben nicht oder nur zu gering aus. Das trifft für Teilnehmer an Bildungsmaßnahmen oft zu:
  • Auszubildende, deren Lehrlingsgehalt unter dem Grundfreibetrag liegt
  • Studenten im Zweitstudium, die nicht oder nur in geringem Umfang erwerbstätig sind
  • Arbeitslose, die während der Arbeitslosigkeit auf eigene Kosten an einer Fortbildung oder Umschulung teilnehmen (das ist seit einigen Jahren trotz gleichzeitigen Bezuges von Arbeitslosengeld möglich)
  • Arbeitnehmer, die für die Dauer eines Lehrganges vom Arbeitgeber unbezahlt freigestellt werden
In diesen Fällen können die Werbungskosten oder Betriebsausgaben auch auf ein anderes Kalenderjahr übertragen werden, in dem sie sich auswirken. Möglich ist der Verlustrücktrag in das unmittelbar vorhergehende Jahr oder der Verlustvortrag in ein oder mehrere Folgejahre. Das kann zu nachträglichen Steuererstattungen für das Vorjahr oder zu Steuerminderungen in den folgenden Jahren führen.  Wer diese  Möglichkeiten in Anspruch nehmen  möchte,  sollte sich zur Beratung an einen Steuerberater oder an einen Lohnsteuerhilfe-Verein (beides kostenpflichtig) oder direkt an sein Finanzamt wenden.

5. Steuerersparnis

Das Finanzamt erstattet keine Fortbildungskosten, es erkennt sie nur steuermindernd an. Wer 1.000 Euro Fortbildungskosten ansetzen kann, bekommt nicht diesen Betrag vom Finanzamt bezahlt, aber sein  zu versteuerndes Einkommen verringert sich um diesen Betrag. Wie hoch die steuerliche Entlastung ist, hängt vom individuellem Einkommen ab. Bei einem Durchschnittsverdiener werden 1.000 Euro Werbungskosten, Betriebsausgaben oder Sonderausgaben zu einer Steuerersparnis von etwa 200 bis 350 Euro führen. Das genaue Ergebnis hängt aber von allen Einkünften, vom Familienstand, von sonstigen Werbungskosten und Sonderausgaben ab.

Ein Beispiel:


Karin Leyh ist ledig, arbeitet als Krankenschwester in Nürnberg und nimmt berufsbegleitend an einer Weiterbildung zur Stationsleitung teil. Dazu fährt sie an insgesamt 65 Tagen 30 km nach Erlangen und zurück mit ihrem eigenen PKW. Sie ist jeweils von 7.30 bis 17.00 Uhr unterwegs. Der Arbeitgeber beteiligt sich nicht an den Kosten.

Frau Leyh könnte z.B. folgende Werbungskosten errechnen:

Der Lehrgang kostet 1.800 Euro zuzüglich 100 Euro Prüfungsgebühr:
1.900 Euro
Fahrtkosten: 30 km x 2 x 65 = 3.900 km bei 0,30 Euro je km:
1.170 Euro
Verpflegungsmehraufwand: je 6 Euro für Abwesenheit mehr als 8 Std. an 65 Tagen:
390 Euro
Fachliteratur nach Einzelbelegen, zum Beispiel:
250 Euro

Summe:

3.710 Euro

Falls Frau Leyh an Arbeitstagen einen Weg von 13 km zum Krankenhaus hat und an 230 Tagen im Jahr arbeitet, hat sie durch die Entfernungspauschale bereits Werbungskosten in Höhe von 897 Euro - der Arbeitnehmerpauschbetrag von 920 Euro ist auch ohne die Fortbildung schon fast aufgebraucht.

Wenn ihr Jahresbruttoeinkommen 2004 bei 30.000 Euro liegt, zahlt sie ohne Berücksichtigung der Weiterbildungskosten an Staat und Kirche Steuern von insgesamt ca. 5.550 Euro im Jahr, bei Absetzung der genannten Werbungskosten nur noch ca. 4.270 Euro

Das Finanzamt beteiligt sich also in diesem Beispiel mit 1.280 Euro oder etwa 35 % an der Weiterbildung. 

Das Beispiel beruht auf den steuerlichen Daten des Jahres 2004. In den Folgejahren können sich geringfügige Abweichungen ergeben. Neben der Entfernungspauschale, den Sozialversicherungsbeiträgen und den genannten Weiterbildungskosten wurden keine steuerlich relevanten Ausgaben einberechnet.



Alle Angaben auf dieser Seite erfolgen ohne Gewähr und ersetzen nicht die individuelle Beratung durch einen Steuerberater, Steuerbevollmächtigten oder Rechtsanwalt.



Ein Hinweis für Bildungsträger:

Ihre Kursteilnehmer und Interessenten sind Ihnen sicherlich dankbar, wenn sie erfahren, wie  der Staat  Selbstzahler in der Weiterbildung unterstützt. Als Veranstalter von Lehrgängen dürfen Sie diesen Text  für die Information Ihrer Kunden verwenden, z.B. als Artikel in Ihrem gedruckten Seminarprogramm, als Text auf Ihrer Website oder als Merkblatt für Ihre Kursteilnehmer. Voraussetzung dafür ist aber eine urheberrechtliche Genehmigung durch mich als Verfasser. Die Vergütung dafür richtet sich vor allem nach der Auflage, der unterste Satz liegt bei 50 Euro. Auf Wunsch kann ich Ihnen auch bereits fertig gedruckte Fassungen zusenden und die Beispiele auf Ihr Seminarprogramm anpassen. Wenn Sie daran interessiert sind, schreiben Sie mir bitte. Die Kontaktdaten finden Sie hier.


Für Bildungsträger und Kollegen weise ich auch noch auf meine folgende Publikation hin:

Sozialversicherung für selbständige Dozenten

(c) Erwin Denzler M.A. - Stand: 3.1.2006